AK-Bildung_Sitzen_bleiben_2012Sitzenbleiben – aussortieren – geht’s auch anders? So lautete der Titel der bildungspolitischen Veranstaltung, die der Arbeitskreis Bildung der Königsbrunner SPD organisiert hatte. In der Aula der Brunnenschule lauschten am Mittwoch, dem 17. Oktober, knapp 30 Gäste den Worten von Dr. Fritz Schäffer vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV).

„Wann erreichten die Pilgerväter Amerika?“ Mit dieser „Test“-Frage eröffnete Dr. Schäffer, der extra  für den Vortrag von Ingolstadt angereist war, seinen Vortrag. Im Publikum wusste zwar jeder etwas mit den Pilgervätern anzufangen, doch niemand wusste genau, dass die Pilgerväter Amerika  im Jahre 1620 erreicht hatten. „Im Schulunterricht lernt jeder diese Zahl auswendig, die aber dann schnell wieder in Vergessenheit gerät“, kommentierte Schäffer und kritisierte, unsere Kinder würden in unserem Schulsystem für Prüfungen, nicht aber für das Leben lernen.

Schäffer, der hauptberuflich Gymnasiallehrer für Geschichte und Deutsch ist, beklagte in seinen lebendig und humorvoll vorgetragenen Ausführungen insbesondere den Umgang der Institution Schule mit den Lerngegenständen. Laut Schäffer hat jeder Mensch von sich aus das Bedürfnis, Dinge zu erlernen. „In unserem Schulsystem vergeht den Schülern der Spaß am Lernen aber schnell.“ Spätestens nach der 5. Klasse würden die meisten Schüler nur noch lernen, weil sie es müssen  –  für Schulaufgaben, Tests und Ausfragen. Für Noten.

Nach dem Vortrag wurde noch ein kurzer Film über eine Alternative schulischen Lernens eingespielt. Dieser demonstrierte am Beispiel des Gymnasiums in Oettingen, wie bei Schülerinnen und Schülern durch Methoden offenen Lernens Eigenverantwortlichkeit und Lernmotivation gefördert werden. Im Anschluss diskutierten die anwesenden Eltern und Lehrer über die erkennbaren Fehlentwicklungen des bayerischen  Schulsystems, das auf frühzeitiges Aussortieren der Kinder nach Leistungshomogenität ausgerichtet ist.

Dr. Lutz Mauermann, Sprecher des Arbeitskreises Bildung im SPD-Ortsverein Königsbrunn, der die Diskussion moderierte, äußerte sich zufrieden über Inhalt und Verlauf der Veranstaltung. „Wir haben heute einen interessanten und anregenden Vortrag von Fritz Schäffer gehört. Er hätte noch mehr Gäste verdient gehabt. In unserem Arbeitkreis werden wir uns auf jeden Fall auch weiterhin mit der Schulpolitik in Bayern beschäftigen und versuchen, auch im nächsten Herbst wieder eine ähnliche Veranstaltung anzubieten“.