Im Vorfeld der Anti-Nazi Woche der Jusos Schwaben luden am 21. März 2019 die Jusos des Augsburger Landkreises und die Jusos Königsbrunn Herrn Dr. Töppel nach Königsbrunn ein.

Herr Töppel gehört zu den Herausgebern der kritischen Edition von „Mein Kampf“, die bereits vor ihrem Erscheinen für Furore gesorgt hatte. Die Frage, ob man ein solches Buch nach dem Ablauf des Urheberrechts wieder neu auflegen darf, soll oder sogar muss, war nur ein Teil dieser Diskussion. Verboten war das „Werk“ Adolf Hitlers hingegen verbreiteter Meinung nie, denn lediglich der Nachdruck war bis dato strafbar gewesen.

So begann der Vortrag von Roman Töppel mit einem kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte des Buches. Zunächst der erste Teil noch von Hitler selbst geschrieben in Landsberg während der Festungshaft und der zweite Teil dann schon nach der Freilassung diktiert. Schnell wird klar, dass man den Inhalt nicht so einfach als reines Nazigeschwätz abstempeln kann. Nimmt man eine differenziertere Betrachtung vor, stellt man fest, dass auch dieses Buch ein Medium seiner Zeit ist. Es vereint philosophische, politologische und soziologische Themen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Genau das versucht die kommentierte Ausgabe herauszufiltern. Dadurch macht die Ausgabe zum einen manche Stellen verständlicher, indem ganz einfach manche Textstellen in ihrer Bedeutung geklärt werden. Hingegen kann in manchen Punkten ganz klar gezeigt werden, dass Hitler an dieser Stelle nur einseitige Argumente und Fakten darlegt, oder schlichtweg lügt. Aber auch die Geschichte von „Mein Kampf“ an sich und die Editionsgeschichte während der NS-Zeit wurden dargestellt. So zum Beispiel, dass nicht jede Stadt neuverheirateten Paaren eine Hochzeitsausgabe schenken konnte, weil es den Kommunen an Geld fehlte, oder dass es sogar heute noch Bernsteinausgaben auf manchen Auktionen gibt. Auch war es interessant zu erfahren, dass Hitler mit dem zunächst nur seinen Lebensstil finanzieren wollte und es erst später aufgrund des niedrigeren Preises und der höheren Auflage zu einem fast schon Bibelersatz für die Nazis wurde.

Zweiter Teil des Vortrags befasste sich schließlich mit dem Editionsprojekt an sich. Hierbei wurde erläutert, wie das Layout der editierten Ausgabe gestaltet wurde und wie es überhaupt zu dem Projekt kam. Am Ende des Vortrages stellten die interessierten Zuhörer*innen noch einige Fragen an den Referenten. Aber auch nach dem Vortrag unterhielten sich noch einige Gäste mit dem Referenten über die Frage, ob man in der heutigen Zeit auch auf so etwas hereinfallen würde und wie man sich davor schützen kann.

Florian Bachmayr – Dr. Roman Töppel – Michael Rehm – Fabian Wamser